SPIELZEIT 2016/2017

Frei und gleich geboren

»Frei und gleich geboren« – so postuliert es die Europäische Menschenrechtskonvention. Doch das Ideal der Gleichheit in einem friedlich vereinten Europa hat Risse bekommen, global werden die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten mit jedem Jahr extremer. Das Salzburger Landestheater geht auf künstlerische Spurenerkundung der Ungleichheiten.
Streben wir eine Gesellschaft an, in der alle Menschen die gleichen Startchancen erhalten oder ist die Zielvorstellung, möglichst gleiche Lebensbedingungen zu schaffen? Wieviel Ungleichheit ist politisch und wirtschaftlich vertretbar?

Dieses Spannungsfeld erforscht das Schauspiel anhand klassischer Texte wie Schillers »Don Carlos» oder Homers »Ilias», aber auch in aktuellen Spielanordnungen wie Ferdinand von Schirachs »Terror» oder Philipp Löhles »Wir sind keine Barbaren!». Das Frauenbild der »Lulu» in einer radikalen Männerwelt wird ebenso thematisiert wie die Zwänge von Thomas Bernhards Zirkusdirektor Caribaldi oder die Spiegelung der »Flüchtlingsgespräche» von Bert Brecht in den Texten des Studiengangs »Szenisches Schreiben« aus Berlin.

Im Märchenwald der Felsenreitschule begegnen wir »Hänsel und Gretel», die die Opernsaison eröffnen, aber auch zwischen ungleichen Optionen zerrissenen Protagonisten wie »Idomeneo» oder »Orfeo²», einer hochinteressanten Spiegelung der dramatischen Kantate von Matthew Aucoin und der Oper von Christoph Willibald Gluck. Das Private ist vorherrschend in Puccinis Oper »La Bohème», die uns ins Haus für Mozart führt, während die Utopie einer Stadt jenseits der kapitalistischen Weltordnung in »Mahagonny» verhandelt wird.

Peter Breuers bejubelte Compagnie widmet sich sowohl der Popkultur mit »Forever 27» als auch dem Zeitalter der Renaissance und seinem wahnwitzigen Fürsten »Gesualdo». Die Sparte »Junges Land« erfährt mit Angela Beyerlein als Leiterin einen Neuanfang, der von »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer» bis zu Orwells »Farm der Tiere» reicht. Dazu kommen neue Projekte der Partizipation wie zum Beispiel eine eigene Produktion des Salzburger Festspiele und Theater Kinderchores.

Das Salzburger Landestheater soll ein Ort sein, der für alle Menschen gleich zugänglich ist, wo sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, künstlerisch inspiriert werden und es gemeinsam gelingt, eine Idee vom Ideal der Gleichheit in unserer Gesellschaft zu entwickeln. Deswegen beleben wir die Serie »Stage Talk«, die von Michael Fischer inspiriert war, neu als Podium öffentlicher Diskussion. Auf die Gelegenheit des Gesprächs und Ihren Besuch freuen wir uns.

Mit herzlichem Gruß und bis bald im Theater,


Dr. Carl Philip von Maldeghem
Intendant

Opera

Idomeneo, Rè di Creta

W.A. Mozart / Dramma per musica in tre atti / Text by Giambattista Varesco

Premiere: 12/04/2016
Salzburger Landestheater

Orfeo² / Laura Nicorescu und Anthony Roth Costanzo

Matthew Aucoin / Christoph Willibald Gluck

Premiere: 01/22/2017
Salzburger Landestheater

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny / Ensemble

Kurt Weill / Opera in three acts / Text by Bertolt Brecht

Premiere: 04/30/2017
Salzburger Landestheater

Tamara Ivaniš und Kinderchor

Bronius Kutavičius / Austrian Premiere

Premiere: 05/11/2017
Schloss Hellbrunn

Kollegienkirche

Bronius Kutavičius / Austrian Premiere / Half-scenical Oratorio

Premiere: 05/19/2017
Kollegienkirche

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