Jules Massenet
Musikalische Leitung
Adrian Kelly
Inszenierung
Jim Lucassen
Bühnenbild
Roel van Berckelaer
Kostüme
Dritan Kosovrasti
Dramaturgie
Ton Boorsma \
Andreas Gergen
BESETZUNG
Werther
Andeka Gorrotxategui \
Timothy Richards
Albert
Simon Schnorr
Le Bailli
Johannes Wiedecke
Schmidt
Philipp Schausberger
Johann
Einar Th. Gudmundsson
Charlotte
Nadezhda Karyazina
Sophie
Laura Nicorescu \
Katharina Bergrath
Mozarteumorchester Salzburg
Salzburger Festspiele und
Theater Kinderchor
„Jim Lucassen, der in Salzburg Regie führte, dreht die Geschichte in eine zeitlose Gegenwart, ohne sie aufgesetzt zu modernisieren. Bühnenbildner Roel van Berckelaer baute einen luftig eleganten Glas-Stahl-Pavillon, zitiert damit die Belle Epoque und bleibt doch symbolhaft. Werther macht sich sein Bild von der Welt (und der Liebe), indem er ausführlich filmt. Folgerichtig überträgt er seinen Tod auch öffentlich ins Internet, über das Charlotte seine Botschaften empfängt. Dass ein solcher stilistischer Zeitsprung nicht stört, vielmehr die Geschichte zweier junger, gefühlsstarker Menschen unaufdringlich überzeugend vergegenwärtigt, ist eines der Meriten der Inszenierung. (…) Das Mozar-teumorchester spielt mit bester Aufmerksamkeit und Konzentration, pointiert, trocken, ohne Drücker Massenet als einen modern anmutenden Spätromantiker: eine überzeugende Lesart. Neben den präzisen Ensemblesängern sind zwei Protagonisten aufgeboten, die die schwierigen Vorgaben ihrer Partien gültig und attraktiv erfüllen. (…) Andeka Gorrotxategui als Werther hat famose Ausstrahlung: kräftig die Linie, markant die unangestrengte Spannung der vokalen Bögen, von brustiger, bronzener Leuchtkraft die Farbe der Stimme, mühelos strahlend, geschmeidig und ohne Druck die Höhe: eine Leistung, die vom ersten Moment an in den Bann zieht.“
Salzburger Nachrichten
„An Goethes Zeit erinnert nichts. Stattdessen taucht der Titelheld taucht filmend im Hause des Amtmannes (tadellos: Johannes Wiedecke) auf, die die Videoprojektionen der Zweisamkeit ziehen sich wie ein Leitmotiv durch den Abend. Die dienen als Reminiszenz an glücklichere Tage von Werther und Charlotte, und sie begleiten vor allem den Selbstmord Werthers, den dieser direkt ins Netz überträgt – Charlotte muss diese Bluttat daheim am Laptop mitansehen. Wirken derlei Regie-Märchen nicht selten lächerlich, verstärken sie hier die Dramatik des Geschehens.“
SVZ
„Werthers Videokamera fängt das Leben seiner angebeteten Charlotte ein – jeden Augenblick will er jetzt noch genießen, näher darf er der bereits "vergebenen" Frau später nicht mehr kommen. Werthers E-Mails lösen bei Charlotte (grandiose schauspielerische Leistung von Nadezdha Karyazina) Höllenqualen aus – lebt sie doch im Zwiespalt zwischen treu-sorgender Gemahlin und aufwühlend-liebender Frau. (…)Die Russin Nadezdha Karyazina (Charlotte) besticht nach der Pause mit nuanciertem Gesang und singt die dramatischen Passagen ausdrucksstark und mit klanglicher Farbigkeit. Die Rolle des Werthers ist dem baskischen Tenor Andeka Gorrotxategui wie auf den Leib geschneidert. Das warme, dunkle Timbre seiner Stimme kommt bei dieser Musik ausgezeichnet zur Entfaltung. Die Melancholie, das Träumerische, die Eleganz dieser dichterischen Figur ist in jedem Ton zu spüren. Das Publikum bedankt sich mit Zwischenapplaus. Laura Nicorescu (als Charlottes Schwester Sophie) bezaubert mit der Schönheit eines leichten, hellen Soprans. (…) Leidenschaftlich erklingt es auch aus dem Orchestergraben. Für die Theatergröße passend, spielt eine kleinere Mozarteumorchester-Besetzung. Am Pult Kapellmeister Adrian Kelly. Unter seinen Händen erblüht Massenets beseelte Musik mit höchster Genauigkeit und erfüllt den Raum mit dramatischer Hochspannung. Der berühmte Funke zwischen Orchester, SängerInnen und Publikum war sichtlich übergesprungen. Der minutenlange, euphorische Applaus zeigt, dass Massenets "Werther" mit seinen großen Gefühlen nach wie vor "up to date" ist.“
Regionews.at
„Regisseur Jim Lucassen legte mit seiner Inszenierung, der Bühne (Roel van Berckelaer) und Kostümen (Dritan Kosovrasti) eine sehr dem Heute verpflichtete Aufführung an, die vielleicht nicht mehr so dem flackernden Begehren zugetan ist, doch verzweifelte Aussichtslosigkeit und unmögliche Unterfangen gibt es in der Gegenwart genauso. Adrian Kelly geht mit dem Mozarteum Orchester in Massenets Meisterwerk einen Weg zwischen Großem und Kleinem, ohne überschnappend zu werden und dick aufzutragen.“
Kronenzeitung
„Da arbeitet die Musik, wie sie Adrian Kelly mit dem Mozarteumorchester umsetzt, der heutig-unprätentiösen Szene zu. Natürlich, die süffigen Melodien dürfen zu ihrem Recht kommen, das melancholische Schwelgen und die Fagott- und Bassetthorn-eingefärbten Trübsinnigkeiten der Partitur. Aber so, in leicht reduzierter Orchestergröße, hat dar Gout der Grande Opera immer auch einen deutlichen Drall zu Puccini. Das schadet keineswegs. Vor allem lässt sich so wunderbar singen und fein gestalten. (…) Der Tenor Andeka Gorrotxategui kann als Werther seine unerfüllten Leidenschaften ohne Forcieren ausleben, sogar oft auf ein mutig-zerbrechliches Piano setzen, wo man eher ein schwelgerisches Aufdrehen erwartete. Die Russin Nadezdha Karyazina ist die Charlotte, am Premierenabend zu Beginn vielleicht etwas zu metallen in der vokalen Attacke, dann aber sehr diszipliniert. Diese Charlotte berührt, wenn sie im Negligée am Laptop sitzt und ordentlich durchgebeutelt wird in ihrem unverschuldeten Zwiespalt zwischen Seelengefühl und Ehepflicht. Simon Schnorr ist der Gatte Albert, persönlichkeitsstark, aber zurückhaltend die meiste Zeit: wie ruhend in der moralischen Selbstgewissheit des Gut-Bürgers, der zu wissen glaubt, dass er im entscheidenden Moment gegenüber den aus dem Ruder laufenden Emotionen ohnedies am längeren Hebel sitzen werde. Stimmlich leicht und flockig tändelnd: Laura Nicorescu als Charlottes Schwester Sophie.“
DrehPunktKultur