Franz Kafka

Premiere
03.02 2013
Landestheater

Inszenierung
Sandy Lopicic

Bühne
Johannes Leitgeb

Kostüme
Thurid Peine

Musik
Matthias Loibner \ Sandy Lopicic \
Die Strottern

Dramaturgie
Maren Zimmermann


BESETZUNG

K

Gero Nievelstein

Artur \ Erlanger
Sebastian Fischer

Jeremias
Sascha Oskar Weis

Frieda
Christiani Wetter

Brückenhofwirtin
Britta Bayer

Herrenhofwirt \ Bürgel
Werner Friedl

Barnabas \ Lehrer
Peter Marton

Olga \ Pepi \ Mizzi
Claudia Carus

Gemeindevorsteher \ Momus
Georg Clementi

Musiker
Klemens Lendl \
Matthias Loibner \
David Müller

Das Schloss

K. kommt in ein kleines Dorf, angeblich als Landvermesser im Auftrag der gräflichen Behörde des angrenzenden Schlosses. Die Bewohner des Dorfes begegnen ihm zunächst sehr feindselig. Kein Mensch kann oder will ihm den Weg zum Schloss weisen. Und je energischer K. versucht, sich dem Schloss zu nähern, umso rätselhafter entfernt es sich. Dafür verstrickt K. sich immer tiefer in die undurchsichtigen Strukturen des Dorfes und die Beziehungen ihrer Bewohner.

Franz Kafka (1883-1924) arbeitete als Jurist für die Prager „Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt für das Königreich Böhmen“, die in einem schlossähnlichen Palast untergebracht war. Laut seinen Biographen beherrschte er im Gegensatz zu K., dem Helden seines fragmentarischen Romans „Das Schloss“, den Umgang mit der Bürokratie auf höchstem Niveau. Trotzdem beschäftigte ihn als Schriftsteller sein Leben lang das Thema des Menschen, der gefangen ist in absurden Zusammenhängen, die er offensichtlich weder überwinden noch ignorieren kann. Seine Bilder sind so eindringlich, dass sich der Begriff „kafkaesk“ im Sprachgebrauch festgesetzt und im Duden Platz gefunden hat, definiert als „auf unergründliche Weise bedrohlich“. 

Für das Salzburger Landestheater entwickelt Sandy Lopicic eine eigene, stark musikalisch geprägte Fassung von Kafkas Spätwerk, ausgehend von dessen höchst atmosphärischen Beschreibungen. Sandy Lopicic ist ein in Stuttgart gebürtiger Bosnier mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Mit seinem legendären, wilden 15-köpfigen „Sandy Lopicic Orkestar“ tourte er von 1999 bis 2006 durch ganz Europa. 2010 versammelte er eine neue Band um sich: „Sandy Lopicic Superstvar“. Parallel dazu ist er an verschiedenen Theatern als Komponist, musikalischer Leiter und Regisseur tätig. Als Bühnenkomponist und -musiker arbeitete er bei den Salzburger Festspielen für die Handke-Uraufführung „Immer noch Sturm“ mit seinem „Theatervater“ Dimiter Gotscheff zusammen. Inszenierungen eigener musikalischer Theaterabende waren in den letzten Jahren unter anderem in Graz, Linz, Nürnberg und Weimar zu sehen. „Das Schloss“ ist Lopicics erste Arbeit für das Salzburger Landestheater.

Pressestimmen

Pralles Prager Panoptikum

„Der ihn [einen Stern] zum Leuchten bringt, ist Musiker und Regisseur: Sandy Lopicic. Das, was das Licht macht, ist ein Klassiker der Roman-Weltliteratur: „Das Schloss“ von Franz Kafka. Die, die auf selten gesehene Weise glänzen, sind die Schauspielerinnen und Schauspieler, denen man in jeder Phase der dreistündigen Aufführung die Lust und das Vergnügen anmerkt, endlich wieder einmal befreit zu spielen, das heißt: sich verwandeln, sich Figuren anverwandeln zu können. Ganz am Rand sitzen drei Musiker: Matthias Loibner und Die Strottern. Ganz leise, ganz wunderbar unterlegen sie die Aufführung mit einem hinreißend gewobenen Klangteppich aus wie absichtslos hingeworfenen und dennoch auf das Präziseste „komponierten“ Mustern. Aus dem Hintergrund machen sie das Zentrum, ohne sich selbst auszustellen: schlichtweg großartig. Ohne diese Musik würde die Aufführung so nicht funktionieren. Durch die Musik wird sie erst Ereignis, weil Sandy Lopicic keinen Roman dramatisiert, sondern im Roman Urformen des Theatralischen aufgespürt hat: Erzählungen, Bilder, Melodie und Rhythmus. Daraus formt er einen eigenen Klang. (…) Die Dorfgemeinschaft wird mehr und mehr zur Chimäre, und je mehr K.’s Leben sich in die Sozietät verstrickt, desto einsamer, unwirklicher wird es um ihn. Gero Nievelstein spielt das mit einer beklemmenden Sachlichkeit als Rädchen in einem sinnlosen Getriebe, scharf, punktgenau. Was sich um ihn herum tut und gruppiert, ist ein Figurenpanoptikum von absonderlichem Fantasiereichtum.“

Salzburger Nachrichten

„Auf dera Welt is all´s verdraht“

„Sandy Lopicic kommt von der Musik, von der Theatermusik her. Was da beständig tönt, lautmalerisch überhöhend oder karikierend, von der Drehleier bis zur singenden Säge, verstärkt fein zugespitzte, immer wieder auch mit subtiler Poesie ansprechende Bilder. Aus der Situationskomik, an der es weder Kafkas Roman noch dieser bühnenwirksamen Umsetzung mangelt, destilliert Sandy Lopicic nur ausnahmsweise "kafkaeske" Überdrehtheit. Eher sind es Szenen, die in leisen Tragödien münden. Die Stärke dieser Roman-Umsetzung ist, dass nichts plump konkretisiert wird. Das von Kafka Unausgesprochene bleibt auch auf der Bühne unausgemalt, die Dinge reizvoll in der Schwebe.“

Nachtkritik.de

Der Irrwitz des Scheiterns

„Die Inszenierung der Kafka-Bühnenadaption am Salzburger Landestheater (…) atmet den anarchischen Geist der Farce und die hinterfotzige Naivität des Volksstücks. Zunächst fahren die Dorfbewohner aus dem Orchestergraben hoch, um als geisterhafter Chor eine Art Vorgeschichte zu erzählen. Die Behörden hätten einst einen Landvermesser bestellt, doch das Dorf habe sich mit seiner Meinung durchgesetzt, man bräuchte gar keinen. Dann wird K. (Gero Nievelstein) auf die schräg zusammengezimmerte Bühne (Johannes Leitgeb) geweht und sieht sich prompt dem Argwohn der Bauern ausgesetzt. Dass sich der Telefonverkehr mit dem Schloss nur per Theremin, dem Dinosaurier unter den elektronischen Instrumenten vollzieht, steht beispielhaft für den grotesken Humor, mit dem das Landestheater-Ensemble – kongenial untermalt von der eigenwillig-archaischen Klangwelt der Bühnenmusiker „Die Strottern“ und Matthias Loibner – immer bizarre Figuren zeichnet. (…) Georg Clementi gibt einen herrlich überhitzten Dorfvorsteher, der mit seinem Schubkarren-Käferpanzer auch als Gregor Samsa durchginge (Kostüme: Thurid Peine). Die zwei Gehilfen verkörpern Sascha Oskar Weis und Sebastian Fischer mit agiler Penetranz, während Britta Bayer als hantige Wirtin den Landvermesser zur Puppe degeneriert.“

SVZ

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