SPIELZEIT 2018/2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Theaterfreunde,

das Amoralische, die bewusste Überschreitung dessen, was für den moralischen Konsens gehalten wird, der Verzicht auf das Gemeinsame und Verbindende, scheinen auf dem Vormarsch zu sein. Die rhetorischen Möglichkeiten der sozialen Medien schaffen eine neue Sichtbarkeit dieser einst eher im Verborgenen angelegten Tendenzen. Die im Theater verhandelten existentiellen Lebensentwürfe entstehen aus der Bereitschaft, Sehnsüchte und Realitäten durchzuspielen und die neu entstehenden Abbruchkanten und Grenzverschiebungen zu erforschen. Diesem Spannungsfeld, das schon Friedrich Schiller mit seinem Postulat an die Schaubühne als moralische Anstalt vermaß, widmen wir uns im Spieljahr 2018/2019.

So begegnen wir im Schauspiel Camus’ „Caligula“ mit dem unvergleichlichen Ben Becker in der Titelrolle, fiebern mit Shakespeares „Hamlet“, aber auch mit der lebenshungrigen Marianne in Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und den Phantasten in Dostojewskijs „Die Brüder Karamasow“. John von Düffel steuert mit „Die schönsten Neurosen unserer Haustiere“ eine Uraufführung für die große Bühne an der Grenze von Schein und Sein bei. Mit Lea Mantel begleitet uns erstmals eine junge Hausautorin über die ganze Spielzeit, im neu angelegten Autorenfestival FREISPIEL finden speziell Gegenwartstexte ein starkes Podium. Die aus Israel stammende Theatermacherin Ronnie Brodetzky fordert unsere Wahrnehmung über das Altern mit einer wundersam traumtänzerischen Etüde über das Synchronschwimmen heraus. Und auch in Hesses „Der Steppenwolf“ und Jelineks „Das Licht im Kasten“ spiegeln sich Licht und Schatten im Angesicht menschlichen Handelns.

 

 




Ein Meister in der Erforschung menschlicher Abgründe und Sehnsüchte war Wolfgang Amadeus Mozart, der gemeinsam mit Lorenzo Da Ponte in drei Opern den Flirt mit dem Amoralischen bzw. auch das böse Erwachen aus derartigen Tagträumen charakterisiert. Die zweimalige Aufführung des gesamten Mozart-Da Ponte-Zyklus an drei aufeinanderfolgenden Tagen darf sicher zu den Höhepunkten der Spielzeit gezählt werden.

Einen ästhetischen Kontrast dazu bildet die zeitgenössische Oper „Der Prozess“ von Philip Glass nach Motiven von Franz Kafka. In Massenets Oper „Manon“ lebt die Protagonistin kompromisslos für die Liebe jenseits der Moral, während Rossini Amoral und Moral auf dem Heiratsmarkt in „La Gazzetta“ musikalisch auf die Schippe nimmt. Die Operette „Wiener Blut“ und die moderne musikalische Hommage „Meine Stille Nacht“ komplettieren das Musiktheaterprogramm.

Die Sparte Ballett kann in Hinblick auf choreographische Handschriften aus dem Vollen schöpfen. Chefchoreograph Reginaldo Oliveira lässt sich von den schicksalhaften Verstrickungen und großen Emotionen Othellos und Desdemonas zu einem neuen Handlungsballett inspirieren. Peter Breuer steuert mit dem Ballettabend „Moonwalk“ ein getanztes Porträt des Grenzgängers Michael Jackson bei.

Gleichzeitig ist die Jugend- und Kindersparte „Junges Land“ so stark wie nie positioniert und auch die dort angesiedelten partizipativen Formate erfreuen sich hoher Beliebtheit bei allen Generationen. Mit „Halbe Helden“ und dem Kobold „Pumuckl“ ist auch hier die Besinnung auf das, was Moral ausmacht, präsent.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Dr. Carl Philip von Maldeghem
Intendant

Oper

Schauspiel

Ballett

Junges Land

Extra