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In seiner »Anna Karenina« verwebt Tolstoi die Schicksale dreier Familien ineinander, an deren Beispiel er moralische Fragen zum Thema Ehebruch aufwirft, und im Zuge dessen die herrschende Gesellschaftsordnung kritisch unter die Lupe nimmt.
Anna kommt nach Moskau um in der Ehe ihres Bruders zu vermitteln, die nach einem Seitensprung Stepans in einer ernsten Krise steckt. Zwar gelingt es Stepan und Dolly wieder zu versöhnen, doch im Zuge dessen wird schnell offensichtlich, dass auch Annas Ehe mit dem Staatsbeamten Alexej Karenin bereits bessere Tage erlebt hat. Dies wird ihr klar, als sie den Grafen Wronski kennenlernt. Für den schwärmt auch Dollys Schwester Kitty, die deshalb den Heiratsantrag des mit Stepan befreundeten Gutsbesitzers Lewin ausschlägt.
Während sich Lewin und Kitty allen Widrigkeiten zum Trotz doch noch annähern, beginnen Wronski und Anna eine leidenschaftliche Affäre, die nicht ohne Folgen bleibt. Zwar kommt es zu einer kurzen Versöhnung der Eheleute, doch nach ihrer Genesung wendet sich Anna erneut Wronski zu und verlässt Karenin. Dass sie dadurch auch ihren Sohn Serjoscha aufgeben muss, stürzt sie in tiefe seelische Qualen, die permanent als dunkler Schatten über der neuen Beziehung schweben. Als Wronski Anna zur Scheidung drängt, sieht sie nur noch eine Möglichkeit ihren inneren Konflikt zu beenden.
»Romane schließen damit, dass Held und Heldin heiraten. Damit müsste man anfangen, aufhören aber damit, dass sie sich wieder trennen, das heißt befreien. Denn das Leben von Menschen so beschreiben, dass man mit der Schilderung der Hochzeit abbricht, ist nicht anders, als beschriebe man die Reise eines Mannes und bräche den Bericht an der Stelle ab, wo er Räubern in die Hände fällt.«
Leo Tolstoi
Pressestimmen
»Viele haben sich nicht vorstellen können, einen tausendseitigen Roman in eine zweistündige Bühnenfassung zu transferieren. John von Düffel, höchst erfahrener »Konzentrator« großer Roman-Stoffe, richtet das dramatische Brennglas auf die Struktur und Substanz: Familie, Ehebruch, Leidenschaft, Sehnsucht, Schuld, Verlorenheit, Verantwortung, Freiheit, Traum und Illusion, Verführung und Verderben. Dabei erfährt man sehr genau, was den intimen und den öffentlichen Kern der Konflikte skandalträchtig in der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ausmachte. [...] Gero Nievelstein (Karenin), Sebastian Fischer (Lewin, der Großgrundbesitzer-Aussteiger, der doch noch ins Glück kommt) und Shantia Ullmann (Kitty, spät seine Frau) sowie Ulrike Walther (Anna) sind nicht nur in den Figuren überzeugend, sie wissen auch um den verrückt suchenden Tundra-Ton zwischen Landgut, Moskau und St. Petersburg.«
Kronen Zeitung
»John von Düffel, selbst als Romanschriftsteller hervorgetreten, Theaterautor und Dramaturg, ist Spezialist für Roman-Dramatisierungen, nach Emile Zola oder Joseph Conrad, immer wieder nach Thomas Mann. Nun hat er im Auftrag des Salzburger Landestheaters Tolstois gewaltigen Stoff durchforstet. Als "glühenden Kern" seiner am Samstag erstmals gegebenen Bühnenfassung hat er den Mikrokosmos Familie freigelegt und die Frage nach der Verantwortung den Kindern gegenüber gestellt. Für die Facette des "Familienstücks" fand Düffel eine erstaunlich gut funktionierende, knappe, umstandslos direkte, klar begreifbare Sprache, die sich nicht mit Atmosphäre aufhält, sondern straff organisierte, punktgenaue Situationen schafft.«
Salzburger Nachrichten
Gelungene »Anna Karenina» am Salzburger Landestheater
»Der deutsche Autor John von Düffel hat den klassischen Text von Leo Tolstoi auf ein erfrischend kurzes Zwei-Stunden-Maß eingedickt und dem Stoff damit viel Schwung gegeben. […] Es ist eine klare Inszenierung mit einem schnörkellosen Bühnenbild (Manuela Weilguni), das viel Platz für die Präsenz der Schauspieler lässt. Ulrike Walther […] gewinnt rasch an Glaubwürdigkeit. Sie ist eine starke Anna, die ihren Weg bis zur letzten Konsequenz eines verzweifelten Todes geht. Peter Marton ist der Lebemann und Liebhaber Wronski, Gero Nievelstein der verzweifelt auf die Wahrung des bürgerlichen Scheins bedachte Ehemann Karenin. Mit jugendlicher Leichtigkeit kommt Shantia Ullmann als Kitty daher. Ihr unbeschwerter Tanz auf dem nur angedeuteten Eislaufplatz mit dem unsicheren und ständig zweifelnden Lewin (Sebastian Fischer) gehört zu den schönsten Szenen des Abends. […] Ein alles in allem gelungener Theaterabend.«
APA
»Amor und Satan in Leo Tolsois berühmtem Roman »Anna Karenina« – Akutell im Salzburger Landestheater ein Publikumsmagnet [...] John von Düffel hat es geschafft, Tolstois mehr als tausendseitiges Werk auf zwei Theaterstunden einzudampfen. Die Weisheit des Dichters kommt dank der überzeugenden Leistungen der Schauspieler voll zur Geltung.«
EpochMedia
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