© SLT / Tobias Witzgall

Der neue Menoza

Jakob Michael Reinhold Lenz

Oder die Geschichte des cumbanischen Prinzen Tandi / Eine Komödie

Premiere 23. September 2021 / Kammerspiele

Inhalt

Lenz ist der modernste, radikalste, wildeste Sozialankläger, das enfant terrible sozusagen seiner Zeit. Damit stehen der Autor und das Stück „Der neue Menoza“ mit seinen leidenschaftlichen, stürmenden und drängenden Gefühlen gleichermaßen für die gesamte Epoche. Mit seiner Kritik an bürgerlicher Verkommenheit legt es bis heute den Finger auf die Wunde angeblich zivilisierter Lebensformen.

Prinz Tandi aus dem fernen Cumba bereist Europa und will die abendländische Zivilisation auf dieser Kavaliersreise kennenlernen. So wird er Gast des Seidenraupenzüchters Biederling, bei dem bereits der – nomen est omen – etwas undurchsichtige Graf Camäleon logiert. Schnell erkennt der Prinz aus fernem Land, den die Aura des „schönen Wilden“ umgibt, die Niedertracht, die hier herrscht, ganz im Gegensatz zur aufgeklärten Geisteshaltung, mit der sich die westliche Gesellschaft schmückt.

Und nun nehmen schmerzliche wie komödiantische Verwicklungen ihren Lauf: „Jakob Michael Reinhold Lenz’ Stück rast durch alle erdenklichen Verhaltensweisen: Es wird sich verliebt, verführt, vergewaltigt, getäuscht, gemordet, physisch und verbal bedroht, gewürgt, erpresst, gestohlen, Wort gebrochen, bestochen, vergiftet (Kakao), geflüchtet, räsoniert, getreten und ausgepeitscht, es kommt zu kalkulierten Drogenpartys en masque mit Fluten von Alkohol und besinnungslosen Furien-Tänzen.“ – Dörte Lyssewski

 

Ohne das Wissen von Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792) wurde das Drama „Der neue Menoza“ von Goethe in Druck gegeben, doch die Reaktion der Kollegen und Rezensenten war eher negativ. Niedergeschmettert schrieb Lenz eine „Rezension des neuen Menoza, von dem Verfasser selbst aufgesetzt“. Goethe-Schwager J. G. Schlösser appellierte in einem Brief des „Prinz(en) Tandi an den Verfasser des neuen Menoza“, sich von der Kritik nicht verunsichern zu lassen.

Dörte Lyssewski war als Schauspielerin an Theatern und Opernhäusern in Montpellier, Zürich, Bochum, Paris, Brüssel, am Wiener Burgtheater und den Wiener Festwochen, den Salzburger Festspielen und der Ruhrtriennale engagiert. Sie erhielt u.a. die Kainz Medaille, den Eysoldt Ring und den Nestroy-Theaterpreis. Seit 2009 gehört die Schauspielerin und Autorin zum Ensemble des Burgtheaters. Nun wird sie erstmals Regie führen.

Ausgewählter Termin

Do. 23.09.2021 19.30

Kammerspiele

Besetzung (am 23.09.2021)

Inszenierung Dörte Lyssewski

Bühne und Kostüme Eva Musil


Herr v. Biederling, wohnhaft in Naumburg Axel Meinhardt

Frau v. Biederling Tina Eberhardt

Wilhelmine, Tochter Patrizia Unger

Der Prinz Tandi Skye MacDonald

Der Graf Camäleon Marco Dott

Donna Diana, eine spanische Gräfin Judith Mahler

Babet, ihre Amme Britta Bayer

Herr v. Zopf, ein Edelmann aus Tirol Christoph Wieschke

Herr Zierau, Baccalaureus Aaron Röll

Der Bürgermeister, sein Vater Christoph Wieschke

Magister Beza, an der Pforte Martin Trippensee