• © Christina Baumann-Canaval

Der Prozess – The Trial

Philip Glass

Österreichische Erstaufführung / Kammeroper in zwei Akten Libretto von Christopher Hampton nach Franz Kafkas Werkfragment „Der Prozess“ / In englischer Originalsprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 02.03.2019 / Landestheater

Inhalt

Die Ohnmacht, die der Protagonist Josef K. im Angesicht der Absurdität, der Ungerechtigkeit und der Korruptheit des Gerichts und seiner gesamten Umwelt erfährt, bildet die beklemmende Essenz von Franz Kafkas Werkfragment „Der Prozess“. Der Autor schrieb in den Jahren 1914 und 1915 zunächst sehr zügig daran, litt jedoch schon bald an einer ausweglosen Schaffensblockade, die es Kafka unmöglich machte, das Werk zu vollenden, das autobiographisch eine persönliche Krise des Künstlers widerspiegelt: Die Auflösung seiner Verlobung mit Felice Bauer empfand er als persönliche Anklage, die Aussprache, bei der Felice von ihrer Schwester und einer Freundin unterstützt wurde, glich für Kafka einem Gerichtshof, in dem er schuldlos verurteilt wurde und doch sein Leben normal weiterleben musste.

Die Wirklichkeit wird zum Albtraum – kafkaesk par excellence. Philip Glass kreierte aus diesem packenden Stoff zusammen mit dem Librettisten Christopher Hampton eine zweiaktige Kammeroper, die 2014 in London uraufgeführt wurde. Glass’ Musik – weit weniger minimalistisch als in früheren Werken, mit längeren melodischen Phrasen im tonalen Rahmen, die zusammen mit harten Rhythmen die Handlung dramatisieren – wirkt wie die perfekte Weiterführung der Emotionen und Gedanken der Figuren, dramatisch erzählt durch die zusätzliche Dimension der Klänge.

Philip Glass (*1937) wird wegen seiner frühen Werke wie „Einstein on the Beach“ – die Uraufführung 1976 wurde legendär durch Regisseur Robert Wilson in Szene gesetzt – zu den Vertretern der Minimal Music gezählt. Glass selbst sieht sich nicht in dieser Ästhetik, im Gegenteil: Durch die Kombination künstlerischer Ausdrucksformen habe er „den Neubeginn einer musikalischen Kunstrichtung“ erreicht.


Ausstatter Thomas Pekny schafft beklemmend kafkaeske Räume für die Inszenierung, die Carl Philip von Maldeghem übernimmt. Das Mozarteumorchester wird vom Ersten Kapellmeister, Robin Davis, in kammer­musikalischer Besetzung angeführt. Im Laufe des Abends schlüpfen die acht Solisten des Opernensembles in 23 verschiedene Rollen.