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Auf einem Landgut in der Provinz treffen in jedem Sommer Stadturlauber auf die Landbevölkerung und bringen das Flair der Metropole in die wunderschöne, aber auch sehr ruhige Idylle. In diesem Jahr hat der junge Autor Trepljow einen avantgardistischen Theatertext geschrieben, in dem seine Geliebten Nina, die von Landflucht und einer großen Schauspielerkarriere träumt, die Hauptrolle spielt. Obwohl von ihrer Kunst überzeugt, sind beide in hohem Grade nervös, denn im Publikum sitzt die berühmte Schauspielerin Arkadina, Trepljows Mutter, mit dem sehr erfolgreichen Schriftsteller Trigorin. Ihre ständigen Nörgeleien führen dazu, dass Trepljow immer wieder nicht nur sein schriftstellerisches Talent, sondern sein ganzes Leben in Frage stellt. So genügt auch diesmal eine geringschätzige Bemerkung seiner Mutter und er bricht die Aufführung ab. Nina folgt dem deutlich prominenteren Trigorin nach Moskau. Der Schmerz beflügelt zwar Trepljows schriftstellerische Tätigkeit und verhilft ihm zum Durchbruch, aber glücklich macht ihn dieser jahrelang erträumte Erfolg nicht. Genauso wenig findet Nina ihr privates oder berufliches Glück. Zwei Jahre später, zurück auf dem Gutshof, scheint das Leben aller Beteiligten nur bergab gegangen zu sein. Der russische Arzt und Schriftsteller Tschechow (1860-1904) nennt seine Stücke »Komödien«. Und er zeigt uns unsentimental und in chirurgischer Präzision eine Gesellschaft, die schon lange nicht mehr an Bewegung oder Veränderung glaubt. Denn anstatt zu versuchen, ein eigenes Lebenskonzept zu entwickeln, kann die jüngere Generation in der »Möwe« sich unter der Last des Erfolgs der Älteren nicht entfalten. Und die ältere Generation erträgt die nachdrängenden Talente nicht, denn ihr sind die Ideale längst abhanden gekommen.
Pressestimmen
»Die Möwe« – gefangen im Labyrinth des Lebens
Sona MacDonald überzeugt in der Rolle der Arkadina mit theatralischem Temperament und gnadenlosem Egoismus. Allein die Existenz ihres Sohnes ist ihr ein Dorn im Auge, erinnert er sie doch ständig an ihr Alter. Christoph Wieschke steht ihr in der Rolle des charakterlosen Schriftstellers Boris Trigorin in nichts nach, auch er nimmt all die unglücklichen Personen, die das Landgut bevölkern, kaum zur Kenntnis. (…) Carl Philip von Maldeghem hat Tschechows tragische Komödie über unglückliche, vom Leben enttäuschte Paare, als ein Panoptikum der menschlichen Unzulänglichkeiten in Szene gesetzt. Bewährte Ensemblemitglieder und eine grandiose Sona MacDonald als Gast bescherten dem Publikum einen anregenden Theaterabend. Genügend Stoff zum Nachdenken über die Tragik des scheiternden Menschen in einer saturierten Gesellschaft.
Dorfzeitung
Der Griff nach der Sehnsucht von Liebe
»Die Bühne (gestaltet von Karl-Heinz Steck) dominiert eine extrem steile schiefe Ebene, auf der – passend zu den Gefühlen von Liebenden – extreme Anstrengungen oder Verrenkungen im Gehen, Klettern, Rutschen und Sitzen geboten werden. Die Kostüme (von Alois Dollhäubl) sind behutsam und raffiniert in heutigen Schnitten und Materialien gestaltet. Der Glücksgriff (…) heißt Sona MacDonald. Sie ist Ensemblemitglied im Josefstädter Theater in Wien und gastiert nun für »Die Möwe« am Salzburger Landestheater. Sie gestaltet die Rolle der ruhm- und liebessüchtigen, immer auf ihre eigene Schönheit und die Wirkung ihres Charmes bedachte Schauspielerin Arkadina mit so viel Verve, so viel Eleganz und so viel Bühnenpräsenz, dass sie das Kraftzentrum jeder Szene, ja, des gesamten Abends ist.«
Salzburger Nachrichten
Schwermut im Tangotakt
»Der Trigorin von Christoph Wieschke ist mehr Dandy denn Ungustl – ein scharfer Kontrast zum Energiebündel Peter Marton als Konstantin. (…) Shantia Ullmann und Sebastian Fischer hingegen hinterlassen als – natürlich unglückliches – Paar Mascha und Semjon einen starken Eindruck, Sascha Oskar Weis als kubaphiler Arzt und Britta Bayer als gedemütigte Verwaltergattin setzen Akzente – nicht zuletzt in den verbindenden Tango-Intermezzi. Hier wird Tschechows Schwermut Klang.«
Salzburger Volkszeitung
Besetzung
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