Die Volksfeindin

nach Henrik Ibsen

Premiere: 11.05.2019 / Landestheater

Inhalt

Amelie Niermeyer inszeniert am Salzburger Landestheater Henrik Ibsens Theaterstück „Ein Volksfeind“ in einer Fassung, in der die Titelfigur Stockmann von Juliane Köhler gespielt wird.

Schockierend aktuell ist Ibsens Drama „Ein Volksfeind“:
Stockmann ist als Badearzt in die Heimatstadt zurückgekehrt und hat ihr zu enormem Aufschwung verholfen. Doch Stockmann entdeckt, dass das für die Gemeinde und ihren Kurbetrieb so wichtige Badewasser verseucht ist. Als dies publik gemacht werden soll, gerät die Figur in einen erbitterten Konflikt mit den anderen Mitgliedern der Stadtgesellschaft, in dem die Pole der Auseinandersetzung die Sorge um die Gesundheit der Kurgäste und das Profitstreben der Kurbetriebe bilden. Ibsen entwickelt in diesem Stoff das packende Drama einer gesellschaftlichen Zerreißprobe.

Stockmanns Bruder, der Bürgermeister, der ihm zu Amt und Ansehen verholfen hat, weiß um die Folgen: Der Ruf des Kurstädtchens wäre für immer geschädigt, außerdem führe die Sanierung unweigerlich in den Bankrott. Die Lager spalten sich und Stockmann steht als Wütender zunehmend alleine da, er beschimpft Presse, Politiker und Mitbürger, bis schließlich die Frage aufkommt, ob er nicht alles aus eigenem Interesse inszeniert hat.

1882 verfasste Henrik Ibsen seine so zeitlose wie bittere Gesellschaftskritik. Es werden Mechanismen einer durchökonomisierten Mediendemokratie offengelegt, in deren Zentrum die Frage steht, warum sich wider alle Vernunft kurzfristige Profitmaximierungsstrategien gegenüber ökologischen Notwendigkeiten durchsetzen.

Dichten heißt bei Ibsen „Gerichtstag halten über sein eignes Ich“. In seinem 1883 uraufgeführten Gesellschaftsdrama befragt er ebenso die Verantwortung der Presse wie die Kollision von Eigeninteresse und Gemeinwohl. Schon immer war es vom Volksfreund zum Volksfeind nur ein kleiner Schritt. Die Mehrheit dagegen sind unkritische, oftmals überforderte Mitläufer mit sich überkreuzenden Interessen. So wie wir.

 

Diese Produktion ersetzt die ursprünglich geplante Inszenierung der Romanvorlage „Die Brüder Karamasow“.

„Uns lag es am Herzen, einen großen europäischen Stoff, der sich mit einer Gesellschaft beschäftigt, die in die Gefahr einer Spaltung gerät, darzustellen. Gleichzeitig wollten wir keine Gesellschaft abbilden, die in dieser patriarchalen Dominanz so nicht mehr existiert. Dazu erschien uns der Stoff Ibsens ideal geeignet“, begründet Intendant Carl Philip von Maldeghem die Entscheidung.

Amelie Niermeyer erläutert die Entscheidung für den Titel „Die Volksfeindin“: „Heutzutage sind relevante Gremien mit Männern und Frauen besetzt bzw. sollte dies der Regelfall sein. Deswegen ist nicht nur die ursprünglich männliche Figur Stockmann, sondern sind auch andere Mitglieder der Ratsversammlung weiblich besetzt. Wir möchten damit eine offene Gesellschaft abbilden. Ich freue mich sehr darauf, mit Juliane Köhler und dem Salzburger Ensemble zusammenzuarbeiten.“

 

Die Partie der Volksfeindin übernimmt Juliane Köhler. Seit den 90er Jahren und ihrem ersten Engagement am Bayerischen Staatsschauspiel ist Juliane Köhler eine feste Größe in der Münchner Theaterszene und gehört auch zu Martin Kusejs aktuellem Ensemble. Mit Amelie Niermeyer verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit.

Einem breiten Publikum ist Juliane Köhler durch ihre Intensive Tätigkeit als Film- und Fernsehschauspielerin bekannt, u.a. in den Filmen „Armee und Jaguar“, „Pünktchen und Anton“ sowie als Eva Braun in Oliver Hirschbiegels Oscar-nominiertem Film „Der Untergang“ und in der Hauptrolle von Caroline Links Oscar-prämiertem Film „Nirgendwo in Afrika“ sowie aktuell in „Safari – Match me if you can“. Im Fernsehen war sie in den Serien „Donna Leon“, „Bella Block“, „Klimawechsel“ und regelmäßig im „Tatort“ zu erleben.

Sie wurde sowohl mit dem Bayerischen Filmpreis als auch mit dem Silbernen Bär der Berlinale als beste Schauspielerin ausgezeichnet.