Heldenplatz
Heldenplatz
© Christina Baumann-Canaval

Heldenplatz

Thomas Bernhard

Premiere: 19.04.2020 / Landestheater

Inhalt

Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler unter den Jubelrufen der anwesenden Wiener auf dem Heldenplatz den „Anschluss“ Österreichs an Deutschland. 50 Jahre später treffen in einer Wohnung in der Nähe des Heldenplatzes die jüdische Familie Schuster und deren engste Freunde zusammen. Der Anlass: das Begräbnis von Professor Josef Schuster. Für diesen philosophischen Kopf, von den Nazis verjagt, in den fünfziger Jahren auf Bitten des Wiener Bürgermeisters aus Oxford auf seinen Lehrstuhl zurückgekehrt, gab es keinen anderen Ausweg als den Selbstmord. Denn die Situation im gegenwärtigen Österreich sei „noch viel schlimmer als vor fünfzig Jahren“.

Bernhards Text legte den Finger auf offene Wunden der Republik, die ein knappes Jahrzehnt vor Österreichs Beitritt zur EU gerade Kurt Waldheim zum Bundes­präsidenten gewählt hatte, dessen Rolle während der Zeit des National­sozialismus zu erregten Diskussionen geführt hatte. Die politische Position Österreichs als „erstes Opfer“ Hitlers musste der nüchternen Betrachtung der begeisterten Beteiligung weichen. Und so wurde die Veröffentlichung des Stückes sowie seine Uraufführung am 4. November 1988 durch Claus Peymann zu einem der größten (Theater-)Skandale in der Nachkriegsgeschichte Österreichs. Bernhards beißende Kritik an dem Österreich, das für Dummheit, Engstirnigkeit und ausgrenzende faschistoide Strukturen steht, schmerzt bis – und besonders – heute.

Im Jahr 1988, zum 100. Jubiläum der „Burg“, beauftragte Claus Peymann, damals Direktor des Wiener Burgtheaters, Thomas Bernhard (1931–1989) damit, ein Werk zu schreiben. Inhaltlich sollte es sich mit dem Bedenkjahr anlässlich des „Anschlusses“ Österreichs beschäftigen. Thomas Bernhard schrieb nach einigem Zögern das Stück „Heldenplatz“. Im Vorfeld der Uraufführung kam es zu einem Skandal um den Text – er beschimpfe Österreich und überschreite die Grenzen des Zumutbaren.

Alexandra Liedtke hat mit ihren Inszenierungen in Salzburg sowohl im Schauspiel („Kabale und Liebe“, „Don Carlos“, „Hamlet“) als auch im Musiktheater („Hoffmanns Erzählungen“, „La Gazzetta“) überzeugt. Die Regisseurin, die lange in Wien gelebt hat, macht sich gemeinsam mit der Ausstatterin Eva Musil auf Spurensuche des österreichischen Skandals „Heldenplatz“. Das starke Frauenteam wird ergänzt durch die Kostümbildnerin Johanna Lakner, die unter anderem für das Burgtheater Wien arbeitet.

Werkeinführungen: 30 und 45 min vor Beginn