Mina
Mina
© Anna-Maria Löffelberger

Mina

Sara Abbasi

Uraufführung: 14.11.2019 / Kammerspiele

Inhalt

Eigentlich führt Mina ein ganz normales Leben: Sie ist eine junge, erfolgreiche Frau, ihre Eltern sind geschieden, ihr Vater ist weg – so weit nichts Besonderes. Viel weiß sie nicht über den abwesenden Vater, nur, dass ihre Mutter ihn einst auf einer Reise nach Teheran kennengelernt hatte und dass Mina ihm ähnlich sehen soll. Aufgrund der Islamischen Revolution mussten die Eltern den Iran verlassen und fanden Zuflucht in Deutschland, wo Mina zur Welt kam. Als sie fünf Jahre alt war, verschwand der Vater. Was genau damals passiert ist, weiß Mina nicht – ihre Mutter will nicht darüber sprechen. Wer waren ihre Eltern vor der Flucht? Wer ist sie selbst? Wie wichtig ist die Vergangenheit für ihre Gegenwart und wie groß der Einfluss eben dieser Gegenwart auf ihre Erinnerung? Warum träumt sie immer wieder von der Hitze über den Flachdächern Teherans, obwohl sie nie dort war?

Aus diesem Gefühl der Zerrissenheit heraus entwickelt Mina den Plan, sich selbst zu entdecken. Ihre Suche dokumentiert sie in einem Videoblog, sie konfrontiert die Menschen in ihrem Umfeld, spinnt Fäden der Erinnerung, die sich aber nie zu einem eigenen Schicksal verbinden lassen. Eine wilde Materialflut bricht über sie herein: Videos, Fotos, Zeitzeugenberichte – alles steht ungeordnet nebeneinander, bis die zahllosen Möglichkeiten verschwimmen und in ihre Lebenswelt eindringen. Minas Verzweiflung schlägt in Lebenswut um, die sie selbst nicht mehr deuten kann. Ayatollah Khomeini, Ulrike Meinhof, Platon und Saint Just werden dabei zu ihrem Rüstzeug. In ihrer Wut empfindet sie immer stärkere Sehnsucht nach einem Ausweg – den sie keinesfalls allein gehen will.

Sara Abbasi wurde im Iran geboren und wuchs in Deutschland auf. Sie brach ihr Studium der Videokunst bei Ulrike Rosenbach ab und studierte Iranistik und Philosophie in Berlin, Teheran und Paris. Von 2010 bis 2014 arbeitete sie mit Peter Stein zusammen, unter anderem an zwei Projekten in Teheran, am Odéon in Paris und schließlich am Burgtheater in Wien, wo sie von 2014 bis 2018 engagiert war und Noah Haidles Stück „Saturn kehrt zurück“ inszenierte. Für die Stückentwicklung „Mina“ verarbeitet Sara Abbasi autobiographisches, fiktives und dokumentarisches Material und skizziert das Porträt einer Generation, deren Leben von mehr als nur einer Kultur geprägt ist. Das Stück entsteht aus Gesprächen, Interviews und im Iran gedrehten Videosequenzen. Sie bilden das schillernde Mosaik individueller und gesellschaftlicher Verwirrung.