Triage
Maya Arad Yasur
Aus dem Hebräischen von Matthias Naumann
Inhalt
Das Wort „Triage“ ist noch nicht so lange in unserem aktiven Wortschatz verankert. Doch wir haben es kennengelernt als Beschreibung des komplexen Themas der medizinischen Prioritätensetzung unter den Bedingungen knapper Ressourcen in einem Katastrophenfall.
Prof. Blankenburg, die Leiterin einer Intensivstation, steht vor der schwierigen Aufgabe, die Verteilung lebenswichtiger Ressourcen, insbesondere von Beatmungsgeräten, zu koordinieren. Dabei werden ihre professionellen Entscheidungen durch persönliche Krisen beeinträchtigt. Vor allem der Kampf ihres Mannes mit Parkinson fordert ihre ganze Aufmerksamkeit und emotionale Kraft – was ihre Situation noch zuspitzt. Dr. Bozic wiederum ringt mit den Grundsätzen der medizinischen Ethik, während ihn zugleich die ersehnte Schwangerschaft seiner Frau und die Affäre mit seiner Kollegin Dr. Majewski umtreiben. Alle durchleben sie heftige Konflikte und moralische Dilemmata, mit denen medizinisches Personal in Extremsituationen konfrontiert wird: Vor dem Hintergrund einer weitreichenden Brandkatastrophe und der daraus resultierenden Überlastung der Klinik wird eine hoch angespannte Atmosphäre geschaffen, die die Ärzt*innen zu schnellen, oft kaum erträglichen Entscheidungen über Leben und Tod zwingt.
„Triage“ beleuchtet eindringlich die rohe Realität derjenigen, die mit den Schattenseiten ihrer Berufung konfrontiert werden, wo jedes Für oder Wider das Potenzial hat, sowohl zu retten, als auch zu zerstören.
Maya Arad Yasur, geboren 1976 in Israel, studierte Dramaturgie an der Universität Amsterdam und arbeitete als Produktionsdramaturgin u.a. in den Niederlanden und in Israel. Ihre Stücke wurden u. a. mit dem ersten Preis beim Dramatikerwettbewerb des ITI (International Theatre Institute) und der UNESCO und dem Stückemarktpreis des Berliner Theatertreffens ausgezeichnet. 2019 wurden die Übersetzungen ihres Stücks "Amsterdam" vom deutschsprachigen und französischen Komitee von EURODRAM ausgewählt.
Ebru Tartıcı Borchers wurde in Hatay/Türkei geboren. Nach einem Schauspielstudium in Ankara und Engagements in der Türkei arbeitet sie seit 2015 auch in Deutschland. An der Universität Mozarteum Salzburg absolvierte sie 2022 ihr Regiestudium. Als Regisseurin arbeitete sie u.a. am Badischen Staatstheater Karlsruhe, am Theater Osnabrück, dem Staatstheater Mainz und am Stadttheater Gießen. Seit der Spielzeit 2024/2025 ist sie Hausregisseurin am Oldenburgischen Staatstheater.
Dauer: 2 Std. 10 Min. / eine Pause
Die Werkeinführung findet jeweils 45 und 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung statt.
Ausgewählter Termin
Mi. 26.11.2025 19.30
Salzburger Landestheater
Termine & Tickets
Audioeinführung
von Clara Bender und Jonathan Unterweger
Besetzung (am 26.11.2025)
Inszenierung
Ebru Tartıcı Borchers
Bühne und Kostüme
Sam Beklik
Musik
Daniel Catalán Dávila
Dramaturgie
Clara Bender
Professor Blankenburg
KS Britta Bayer
Dr. Bozic
Maximilian Paier
Dr. Majewski
Nikola Jaritz-Rudle
Bruno
Luca-Noél Bock
Edgar Jordan
Christoph Wieschke
Petra Löwe Tina Eberhardt
Pressestimmen
„Ein Fundstück. [...] In einer von Sam Beklik [...] gestalteten weißen, streng geometrischen, doch gefinkelten Drehbühne, die die sterile, fast burgartige Hermetik eines Spitals vermittelt, macht die Regisseurin dezente szenische Zugriffe: So lässt sie den Darstellern Raum für eigene Figurenzeichnungen – etwa Christoph Wieschke als von Zahlen besessener Sohn einer sterbenden Patientin, der gleichsam den Kontrast von Wahrscheinlichkeitsrechnung und liebevoller Zuwendung verkörpert, oder Nikola Jaritz-Rudle als Jungärztin und resolute Alleinerzieherin. Und ohne szenisches Exaltieren gibt Ebru Tartıcı Borchers den Vortritt dem Stück und somit den kniffligen ethischen Fragen der Triage.“
„Am Ende setzte das Stück keine Meinung auf. Weder moralische Lösung noch dramaturgische Entlastung wurden angeboten. "Triage" konfrontiert das Publikum mit einer Situation, in der jede Entscheidung einen Preis hat. Und genau darin entfaltete die Inszenierung ihre Wirkung. Am Ende der zwei Stunden gab das Publikum erleichterten und zugleich nachdenklichen Applaus. Dem Salzburger Landestheater gelang damit ein Theatermoment, der Fragen stellt, ohne sie zu beantworten.“
